NVA - Luftstreitkräfte

 aus meine Dienstzeit von 1988 - 1990 im JG 1 bei der FuTK 411 in Holzdorf

      DDR- Luftstreitkräfte  

  Hoheitszeichen an DDR-Millitärflugzeugen                                                           Schirmmütze der Luftstreitkräfte der DDR 


Von November 1988 bis Januar 1990 hab ich als UKW-Funker / Mechaniker bei den funktechnischen Truppen der Luftstreitkräfte der DDR in Holzdorf/Ost gedient.

Natürlich begann alles mit der A-Kompanie (Ausbildungskompanie) in Dahme/Elster, dann bis Januar 1989 Funkerausbildung in Löcknitz (Meck.-Vor.-Pom.), einem kleinen Nest an der polnischen Grenze (am A.d.W.)

Zu dieser Zeit und auch im darauf folgenden Sommer ahnte noch keiner, was im Herbst auf uns zukommen sollte.

Aber eins nach dem anderen.

Wir waren nun Funker 05 (UKW Funker) und wurden in das DHS (Diensthabende System) der

LV (Luftverteidigung) der DDR integriert. Dazu sollte man wissen, dass unsere Kompanie (FuTK 411)  zum FuTB 41 gehörte und dem JG 1 unterstellt war. Die Aufgaben waren vor allem die Luftraumüberwachung und die Sicherstellung des Funkverkehrs zwischen dem Gefechtsstand und den Jagdflugzeugen.

 

  Luftraumkarte der ehem. DDR mit Luftstraßen und Luftkorridoren


Jedes Flugzeug hat seine eigene Kennung und konnte dadurch beim Flug über die DDR überwacht werden. Das war die Aufgabe der LRA (Luftraumaufklärung) und der "Fettstifte".

Die Korridore und Luftstraßen durften nicht verlassen werden. Wenn doch oder wenn ein Flugzeug den Luftraum der DDR verletzte, wurde Alarm ausgelöst und Abfangjäger stiegen auf.

Hier kommen die Genossen vom Nachrichtenzug (Na) und ich ins Spiel. Unsere UKW-Funkgeräte stellten den Sprechfunkverkehr zwischen Piloten und dem Gefechtsstand sicher.

 

 

   UKW-Funkgerät U 341 auf LKW Sil 157                                    UKW-Funkgerät U 316 auf Sil 157 mit Tarnnetz



Die Funkgeräte waren in einem LKW-Koffer (meist SIL 157) untergebracht. Heute passen die nötigen Funkgerätei die Hosentasche.

24 Stunden Luftraumüberwachung und Nachrichtenbereitschaft an 365 Tagen im Jahr nannte man DHS (Diensthabendes System) und bedeutete Arbeit im  3-Schichtsystem. 


 

                                            UKW-Funkgerät U 341 / R 824 lpm in einem Sil 157-LKW-Koffer



Für uns Genossen gab es nach 50 Tagen DHS einen Tag SU (Sonderurlaub) und nach 100 Tagen DHS zwei Tage SU, eine lohnende Sache. Zusätzlich gab es für jeden Diensthabenden ein zweites Frühstück oder Abendbrot.



  

   stationäres UKW-Funkgerät U 84 / R 824 m                            Nachrichten-Stellung im Objekt Schönewalde



Eigentlich war alles genau so, als würden wir draußen an die Arbeit gehen. Wir versahen unsere Dienste, brauchten kaum sinnlose Übungen über uns ergehen lassen, es gab kein Frühsport, keine unnötigen Appelle und das Verhältnis zu den Offizieren war top in Ordnung.


 

   Nachrichten-Stellung im Objekt Schönewalde (innen)             Draht-Aufzeichnungsgerät Typ MN 61

 

In dieser Zeit (Sommer 1989) beschloss ich, ein paar Fotos von unserem Standort zu machen, ohne mir der eventuellen Konsequenzen bewußt zu sein.

 

   Hauptgefechtsstand im Objekt Schönewalde



Ich schnappte meine beiden Fotoapparate und ging eine Runde durch das Objekt Schönewalde, entlang der HSA (Hochspannungsanlage), der Na-Stellung, vorbei an den Stellungen der LRA zum LuPo (Luftbeobachtungsposten). 

Ich glaube, wenn mich dabei jemand erwischt hätte, wäre ich aus SCHWEDT nicht mehr raus gekommen?!


   

                                Gefechtsstände der LRA/LRV (Luftraumüberwachung/Luftraumverteidigung) 



Dann kam der Herbst 1989 und mit ihm die Veränderungen. Es hieß nun - meine Herren - und nicht mehr - Genossen -, wir durften uns einen gepflegten Oberlippenbart stehen lassen und Ausgang sowie Urlaub gab`s nur noch in Zivi.


 

 UKW-Funkstation U 316 auf LKW Sil 175 (getarnt)

Nachdem die Grenzen zur BRD offen waren und auch der letzte "300 %ige" begriffen hatte, dass sich in aller nächster Zeit etwas ändert, bekamen auch die Armeeangehörigen ihren Personalausweis zurück und konnten - in Zivil - in die BRD oder nach Westberlin reisen.

 

                             


                                                 mein NVA-Wehrdienstausweis mit Erkennungs- (Hunde-)marke 


Am 29. Januar 1990 endete für mich der Wehrdienst bei der NVA - 4 Monate früher als geplant. Warum? Wir wurden nicht mehr gebraucht. Den "Feind" gab es nicht mehr und die NVA begann sich langsam aufzulösen. Auf dem Kasernengelände in Holzdorf/Ost sind heute Hubschrauber der Bundeswehr stationiert und auch das Objekt in Schönewalde wird noch militärisch genutzt.